Die Schattenseiten der größeren Bekanntheit und Verbreitung des Themas Hochsensibilität lassen nicht lange auf sich warten. Eine Momentaufnahme.

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AUTOR

Uwe B. Werner

Die Schattenseiten der Bekanntheit

Dieser Artikel wird sicherlich nicht nur Freunde finden. Ich finde es allerdings genauso wichtig, wie Erkenntnisse und positive Erfahrungen zum Thema Hochsensibilität aufzuschreiben, hier auch die Schattenseiten und Begleiterscheinungen einer zunehmenden Bekanntheit von HSP offen zu erwähnen.

Vorweg, ich bin selbst Hochsensibel und beschäftige mich schon einige Zeit mit dem Thema. Ich wollte zu allererst natürlich für mich selbst herausfinden, was HSP eigentlich ist und wieso ich so und nicht anders in gewissen Situationen reagiere und fühle. Der übersensible Teil in mir war dankbar für viele Antworten.

Die Erkenntnis

Wer für sich erkennt ein Hochsensibler Mensch zu sein, es vielleicht vorher schon geahnt hat, aber noch nichts mit dem Begriff anzufangen wusste, für den ist die Erkenntnis erst einmal eine Befreiung. Er erkennt, dass es anderen ähnlich geht, das er nicht allein ist und das er nicht einfach nur ein “Sensibelchen” ist, sondern das viele seiner Wahrnehmungen und Möglichkeiten ein Potential und eine Kraft in sich tragen, die er bisher noch gar nicht zu nutzen, ja geschweige denn erkennen konnte.

So stürzt man sich auf diverse Gruppen, lokal und online, man verschlingt die wachsende Literatur und ist schon dabei verblüfft und irritiert. Schon hier werden große Unterschiede in der Auslegung, was HSP nun eigentlich bedeutet, deutlich.

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Nachdem ich erkannt hatte und von anderer fachkundiger Seite bestätigt wurde, das ich wohl ein hochsensibler Mensch sei (was mich an der Stelle nicht mehr wirklich verwunderte), begann ich mich zu belesen und über Gruppen mit anderen auszutauschen.

Ich fand Menschen, denen es genauso geht wie mir, die schwanken zwischen dem Segen und dem Fluch so sensibel zu sein, Dinge anders wahrzunehmen und sich oft nicht zurückziehen zu können. Ich fand Versteher und Erklärer und ich fand den Hype…

Hochsensibel zu sein scheint “in” zu werden. Um so mehr darüber berichtet wird, desto mehr finden sich auch Menschen, die gern auf den Zug aufspringen. Esoteriker, selbsternannte Coaches und Lebenstrainer tummeln sich indessen genauso in den zahlreichen Gruppen wie Schamanen, Buchautoren und allerlei anderes. Es wird zunehmend schwerer die ernsthafte Auseinandersetzung zu filtern. Zu viele wollen zu schnell Geld verdienen.

HSP ist das neue vegan

Natürlich gibt auch ernstgemeinte Hilfe und Angebote, doch eines dürfen wir dabei nicht vergessen: HSP ist keine Krankheit! Es ist eine Wesensart, etwas, was uns mitgegeben wurde, was keiner Heilung und keiner Behandlung bedarf! Es geht eher darum zu ergründen, wie komme ich im Alltag damit klar?!

Schon bei der Thematik ob Hochsensibilität vererbbar ist oder nicht, gibt es wahre Glaubensauseinandersetzungen, die eine andere Meinung gar nicht erst akzeptieren. Jeder scheint von seiner Meinung strikt überzeugt und es bilden sich erste Filterblasen, wo man nicht anderes hineinlässt, als was die eigene Meinung stützt. So bildet sich hier im Kleinen ab, was im Großen schon längst geschehen ist.

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Vielfach begreifen oder sehen sich Menschen mit Hochsensibilität selbst als Außenseiter. Dies mag durch Erlebnisse in der Kindheit und Jugend begründet sein. Ein “Sensibelchen”, egal ob Mädel oder Junge, ist schnell das “Opfer” der Gruppe. Ich habe viele Erlebnisse dazu gelesen und an so mancher Geschichte selbst tagelang zu knabbern gehabt. Manchmal sind es auch Familien die ausgrenzen, Freunde die damit nicht umgehen können und Arbeitskollegen, denen man “unheimlich” ist.

Hochsensible sehen sich als Minderheit, als Randgruppe und fühlen sich bewusst oder unbewusst auch diskriminiert. In vielen Fällen nachvollziehbar. Was mich dann um so mehr überrascht und schockiert hat, sind die Erfahrungen in einigen Gruppen zum Thema Hochsensibilität auf Facebook. Hier wird, gerade unter Hochsensiblen, selbst gemobbt, ausgeteilt und niedergemacht, das es einen gruselt. Manchmal sind es machtberauschte Admins einzelner Gruppen, vielfach aber auch ganz normale Nutzer.

Es gibt von Monat zu Monat mehr Literatur zu dem Thema. Zum einen begrüße ich das, da das Thema endlich auch in die Öffentlichkeit tritt. Nicht jedes Buch gefällt, weder mir noch anderen, um manche wird allerdings schon ein regelrechter Glaubens- und Ablehnungskrieg geführt. Die Spitze war wohl, das ich auf Grund einer Bucherwähnung in einem meiner Artikel in einer HSP Gruppe nicht mehr willkommen war. Hier zeigt sich, das auch Hochsensible manchmal völlig unsensibel sein können.

Ich hoffe, das dem Thema die Würdigung und Öffentlichkeit zuteil wird, die es verdient. HSP muss raus aus der Schmollecke, muss ankommen in der Gesellschaft. Wir alle dürfen nicht verteufeln, was wir nicht verstehen…

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