Leben & Arbeit

Von der Zeit und dem Verschwinden…

“Die Zeit heilt alle Wunden…” sagt man. Dies mag ebenso ein Irrglaube sein, wie “Liebe überwindet alles“. Grußkartenhersteller mögen die Sprüche

Die Zeit heilt alle Wunden…“ sagt man. Dies mag ebenso ein Irrglaube sein, wie „Liebe überwindet alles„. Grußkartenhersteller mögen die Sprüche ja passend finden und mit einem entsprechend gestaltenen Rahmen kommen sie auch gut daher, doch die Realität erscheint uns oft weit weniger poetisch. Es gibt Wunden, die keine Zeit der Welt zu heilen vermag.

Gewiss, natürlich lässt der Schmerz – und ich spreche hier, wie man sich denken kann, nicht von körperlichen Wunden, welche verheilen, verblassen, vergehen – nach und es gibt Tage und Augenblicke, die sich mehren, wo man nicht daran denken mag. Aber weg sind die Gedanken, die Gefühle, die Schmerzen eben auch nicht.

„Nichts verschwindet gänzlich…“ –  wieder so ein Spruch doch erscheint er mir weit größere Bedeutung und Tiefe, vielleicht von Erfahrungen geprägt, vielleicht, je nach Ausrichtung, vom Wunsch beseelt. Wie das Gute nicht ganz verschwinden kann, so verschwindet eben auch die Trauer, der Schmerz nie ganz.

Es gibt Zeiten, Tage und Orte, wo er stärker in uns zurück kehren mag. Jahrestage, die uns bewusst werden lassen, was sonst unter einer leichten Decke des Alltags scheinbar verschwunden ist. Aber eben nur scheinbar und es wartet und lauert nur darauf heraus zu brechen und uns wieder in den Bann zu schlagen.

Wer hofft durch Vergessen erlöst zu werden, irrt. Man muss lernen mit Erinnerungen, mit Schmerzen, mit Sehnsüchten und auch mit der Trauer leben zu können, sie als Teil des eigenen Lebens begreifen und akzeptieren zu lernen. Das ist vielleicht der einzige Weg, sie letztlich doch auf eine gewisse Weise verschwinden zu lassen.

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