Leben & Arbeit

Internet im Zug: das ist die aktuelle Situation

Unzählige Pendler tagein tagaus, über 350.000 Menschen nutzen ICE und IC, über 6 Millionen Fahrgäste in Regional-und S-Bahnen. Da sollte man doch meinen, dass die neuesten technischen Errungenschaften auch bis zur Bahn vorgedrungen sein mögen. Ob es diesbezüglich Neuigkeiten gibt, wird im folgenden erläutert.

Unterschiede bei 1. und 2. Klasse-Tickets und Telekom-und Nicht-Telekom-Kunden

Die aktuelle Tarifpolitik der Bahn ermöglicht seit dem 1. Dezember 2014 mit 1.Klasse-Fahrschein kostenloses surfen im Internet (nach einer vormaligen Preiserhöhung um 3 Prozent).

Wer ein 2. Klasse Ticket hat, für den gibt es momentan mehrere Möglichkeiten:

Erstens, man ist ein Telekomkunde. In dem Fall kann man eine SMS mit dem Text „Open“ an die Nummer 9526 senden und bekommt als Antwort die Zugangsdaten für den jeweiligen HotSpot bereitgestellt. Um ins Internet zu gelangen, reicht es das entsprechende WLAN auszuwählen, den Browser zu öffnen und eine beliebige Seite aufzurufen – so gelangt man zum Login-Bildschirm, in den man dann die bereits erhaltenen Login-Daten eingibt. Fertig.

Nicht-Telekom-Kunden können, bevor sie die Reise antreten, einen sog. HotSpot-Pass kaufen, der über das HotSpot Portal der Telekom erhältlich ist. Dritte Möglichkeit: man zahlt 4,95 Euro und erhält einen Tagespass der Bahn.

Wer also beispielsweise mit dem Zug von Hamburg nach München reist und die knapp 7-stündige Zugfahrt mit der Ausarbeitung einer Präsentation verbringen möchte, kann dies auch in der zweiten Klasse bequem tun. Und hier endet das Märchen auch, denn schön wärs. Leider gibt es einige Hürden zu überwinden für diejenigen, die ohne lange Unterbrechungen oder stundenlange Ladezeiten im WorldWideWeb unterwegs sein möchten. Auch wenn die Deutsche Bahn langfristig Verbesserungen in den ICEs plant, wird das Problem in anderen Fernzügen und in den Regionalbahnen weiterhin bestehen bleiben.

Doch weshalb ist es gerade in Zügen so schwierig, eine stabile Internetverbindung aufrechtzuerhalten?

Gründe für die Internetprobleme in Zügen

Zunächst kommt es auf die Fahrgastzahlen an: umso mehr Passagiere, umso schneller ist das Netz ausgelastet und es geht Nichts mehr. Das ist wie wenn man an Silvester um Punkt Mitternacht seiner Familie ein frohes neues Jahr wünschen möchte- eine Überlastung des Netzes führt zu einem Blackout. Zudem gibt es etwa alle 5 km entlang der Bahnstrecken Mobilfunkmasten, die eine stabile Verbindung sichern sollen. Bei den hohen Geschwindigkeiten der Züge ist das Hin-und Herspringen von einem Mast zum nächsten jedoch eine große Herausforderung für stolperfreies Surfen. Zuletzt sorgen die Metallwände der Waggons für eine Art Schutzbarriere: sie lassen kaum Lärm nach innen, die Funkwellen werden aber auch blockiert. Die häufig eingesetzten Repeater, die für eine stabile Verbindung sorgen sollen, sind jedoch meist veraltet und unbrauchbar.

Was kann man in Zukunft erwarten?

Auch wenn die Bahn mit verschiedenen Mobilfunkanbietern in Kontakt steht, um den Kunden schnelles Internet auf Reisen zu bieten, ist es noch ein langer Weg.

Zumindest kostentechnisch tut sich etwas: Ab 2016 sollen die Extrakosten für die zweite Klasse endlich wegfallen und somit wird es in allen ICE-3-Zügen keine Zweiklassengesellschaft mehr geben.

Was die Internetverfügbarkeit angeht, gibt es einen Hoffnungsschimmer auf Länderebene: diese können nämlich die Realisierung von WLAN-Verbindungen bei Nah-und Regionalverkehr einzeln für sich entschieden. So ist z.B. für Dezember 2015 im Raum Braunschweig im sogenannten ENNO-Netz, welches die Strecke von Wolfsburg nach Hannover und von Wolfsburg nach Hildesheim abdeckt, der Ausbau eines WLAN-Netzes für die Kunden geplant. Das ist wenigstens ein guter Anfang. Zur CeBit kommt man nächstes Jahr dann vielleicht schon einmal mit ruhigem Gewissen und komplett abgearbeitetem Maileingang nach Hannover.

Der Rest bleibt vorerst weiterhin das was er ist: eine Geduldsprobe. Langfristig sollen aber laut Bahn viele Intercity-Züge an das ICE-Netz Anschluss finden und somit auch kostenfreies Internet anbieten können. Bis zum Jahr 2030 ist geplant, nach und nach bis zu 150 IC-Fahrten täglich zusätzlich zu versorgen.

Titelbild: By Michael Meding, de:Benutzer:Factory X [CC BY-SA 2.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

 

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