Gibt es Unterschiede zwischen einem Mehrgenerationenhaus und einem generationsübergreifendes Wohnprojekt? Was ist was und was ist besser?

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Uwe B. Werner

Um die Veränderungen im sozialen Umfeld konstruktiv anzugehen, werden zukunftsweisende Wohnformen, Begegnungsstätten und das Engagement der Menschen benötigt.

Mehrgenerationenhäuser möchte, ebenso wie generationsübergreifende Wohnprojekte,  das Prinzip der Großfamilie in die moderne Gesellschaft übertragen. Familien- und generationenunterstützende Angebote und Dienstleistungen werden hier kontinuierlich entwickelt und vernetzt.

Während generationsübergreifende Wohnprojekte wirklich als Lebens- und “Wohn”raum konzipiert sind und dort zusätzlich Angebote geschaffen werden können, welche in die unmittelbare Umgebung abstrahlen können (Stadtteilwirkung), sind Mehrgenerationenhäuser von Grund auf eher Begegnungstätten mit ganz unterschiedlichen Angeboten. “Nachbarschaftszentren” nannte man so0lche aktiven Stätten bisher auch gern. Eine Stätte, ein Haus mit Kursangeboten, einem Treff- und Gesprächspunkt für Jung und Alt. Familien- und generationenunterstützende Angebote und Dienstleistungen können dort kontinuierlich entwickelt und vernetzt werden. In ungezwungener Atmosphäre werden so Kontakte geknüpft, Freizeit gestaltet und gemeinsame Ideen verwirklicht. Ein eigenes Netzwerk mit Firmendienstleistungen ist nur eines der Mehrwertangebote für die Nutzer solcher Häuser.

Ein nicht gänzlich anderes Konzept verfolgen dagegen generationsübergreifende Wohnprojekte. Hier gehen die oft eher zufälligen Begegnungen innerhalb einer reinen Begegnungsstätte in ein dauerhaftes Wohnkonzept über. Alt und Jung unter einem Dach vereint. Nicht selten sorgt soetwas für emotionalen Zündstoff, daher ist die Zusammenstellung einer solchen Gruppe mit viel Sorgfalt und reichlich Vorbereitungszeit zu betreiben. “Als Familienersatz” sehen viele Bewohner denn auch langfristig ihre Wohnform.

Auch Wohnprojekte können um zahlreiche Möglichkeiten ergänzt werden und eine Kombination beider Varianten zu einem neuen großen Projekt wäre sicherlich eine besondere Herausforderung für die Planer der Städte.

Immer mehr Menschen erkennen den Nutzen, den gemeinschaftsorientierte und generationsübergreifende Wohnformen bringen. Ob es die gemeinsam organisierte Kinderbetreuung, Veranstaltungen oder berufliche Verbindungen sind: Es können vielfältige Netzwerke und Synergien entstehen, die den Mehrwert eines Wohnprojekts erlebbar machen.

Gemeinschaftsorientierte Wohnprojekte bieten große Chancen für Architekten, Wohnungswirtschaft und Kommunen. Sie schaffen Mehrwert in Form von sozialem Zusammenhalt sowie Identifikation mit dem Quartier, und sie können sogar zur Stabilisierung schwieriger Stadtteile beitragen.

Deutlich wurde in den letzten Jahren, dass es einen großen Bedarf für solche Wohnprojekte gibt, die der Wohnungsmarkt bislang nicht hinreichend bedienen kann. Nachfrager sind nicht nur gebildete und wohlhabende Bürger, wie vielfach behauptet, sondern breite Schichten der Bevölkerung. Wohngruppenprojekte sind damit Teil der sozialen Wohnraumversorgung.

Immer wieder stellt sich dabei die Frage des Mehrwertes. Dieser lässt sich für die Wohninteressierten recht leicht darstellen, schließlich leisten diese einen wichtigen Beitrag zum Aufbau sozialer Unterstützungsnetzwerke und kommen den Wohnbedürfnissen vieler Menschen entgegen. Alt und jung, Familien und Senioren leben hier gemeinsam und profitieren dabei gleichermaßen voneinander. Die Formen des gemeinschaftlichen Wohnens bieten gute Möglichkeiten, dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Selbstorganisation, aber auch nach gegenseitiger Hilfe nachzukommen. Für Investoren, Vermieter oder Kommunen ergeben sich dagegen oftmals die Fragen wieso man gerade eine solche Wohnform fördern und realisieren soll.

Beleuchten wir diese Fragen doch einmal an Hand eines Beispiels:

Eine Gruppe von Interessenten findet sich zusammen. Dies geschieht meist über Plattformen, Stammtische oder gezielte Bewerbung (Auf die Zusammenstellung und die Vorbereitung wird ein anderer Artikel Auskunft noch näher eingehen). Nachdem für diese Gruppe eine fachgerechte Betreuung durch z.B. caveomedia begonnen hat, wird eine entsprechende Immobilie, ein Investor/Vermieter oder ein Bauland gefunden. Wir gehen in diesem Beispiel einmal von einem sanierten Altbau mit 8 – 15 Wohneinheiten aus, welcher komplett vermietet werden kann. Warum nun sollte ein Eigentümer komplett an eine solche Gruppe vermieten? Wo liegen seine Vorteile?

  • eine solche Gruppe geht bewußter mit einer Immobilie um. Man lebt nicht anonym nebeneinander her, sondern kümmert sich umeinander aber auch um die Wohnstätte. Immobilien werden sorgfältiger behandelt, gepflegt und eigene Mehrwerte geschaffen (Gartenpflege, soziale Gemeinschaftsstunden etc.),
  • die Gruppe wird strukturiert z.B. in Form eines Vereins und leistet zusätzlich zur normalen Miete einen Obulus in einen eigenen Sicherheitsfond. Sollte ein Mieter ausziehen oder aus anderen Gründen eine Wohnung leer stehen, möchte und sollte die Gruppe gern mit entscheiden, wer dort zukünftig einzieht. Dies dient zur langfristigen Gruppenstabilität. Um für den Eigentümer jedoch keine finanziellen Ausfälle aufkommen zu lassen, wird der Sicherheitsfond bedient, aus welchem dann entsprechend vorrübergehend die Miete abgedeckt werden kann.
  • Für Investoren / Eigentümer ergibt sich aus der Vorgehensweise eine hohe Mietsicherheit. Ggf. kann sogar eine entsprechende Mietsicherheitsgarantie ausgesprochen werden.
  • ein generationsübergreifendes Wohnprojekt kann, je nach Lage und Immobilie, mit zahlreichen anderen Möglichkeiten gekoppelt werden. So wäre auch die Option ein Mehrgenerationenhaus als Begegnungstätte für die Generationen, als Nachbarschaftszentrum, als Raum für Vereine und Gewerbe anzusiedeln. So entsteht nicht nur eine Innenwirkung, sondern strahlt das Haus bewusst in die Umgebung (Kiezgedanke),
  • neben zahlreichen Fördermöglichkeiten bei der Errichtung und Einrichtung solcher Wohnmöglichkeiten, also dem finanziellen Anreiz, ist natürlich auch ein Imagegewinn für den Träger zu verzeichnen. Soziale Kompetenz wird heutzutage mehr und mehr wahrgenommen und gewürdigt.

Die guten Gründe sprechen für sich und müssen für jedes generationsübergreifende Wohnprojekt neu erarbeitet und dargestellt werden.

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