Leipzig

Warum mich Lokalpatriotismus so nervt

Es ist schön wenn man sich wohl fühlt wo man wohnt, wenn man die Stadt mag und vielleicht sogar liebt, in der man lebt. Das ist toll und das darf und sollte man auch ruhig sagen dürfen. Da bin ganz dabei, keine Frage!

Was mich jedoch zunehmend nervt, ist der übertriebende Lokalpatriotismus, der oft damit einhergeht, andere Städte niederzumachen. Ja, Köln ist lustiger als Düsseldorf und Düsseldorf ist schicker als Köln. Dresden ist barocker als Leipzig und Leipzig lebendiger als Dresden. Ich kann es langsam nicht mehr hören, lesen oder ignorieren. Wozu dieses Kindergartengehabe, dieses:

„Meine Buddelförmchen sind aber schöner als Deine…“

Jede Stadt ist anders, man kann keine zwei Städte wirklich miteinander vergleichen. Jede Stadt hat Vor- und Nachteile, bietet Einzigartiges und hat Schattenseiten. In keiner Stadt ist es nur toll oder nur schlecht… okay, Berlin nehmen wir da mal raus 🙂

Vielleicht merke ich das erst jetzt, wo ich quasi zwischen zwei Städten pendele und in einer noch und in der anderen noch nicht ganz wohne. Wenn ich teilweise lese, was da bei Facebook und Twitter über einander hergezogen wird, dann glaube ich manches mal nicht mit erwachsenen Menschen zu tun zu haben. Die andere Stadt, egal ob in dem fall Dresden oder Leipzig, wird natürlich völlig abgelehnt. Okay, zum Party feiern kann man ja eben mal hinfahren, aber natürlich würde man nie dort wohnen wollen. Hmmm… ob die selber merken, wie lächerlich das alles ist?

Nicht jede Stadt erobert einen auf Anhieb und für viele gibt es Vorurteile. ich erinnere mich als ich Hannover das erste mal besucht habe. Ich erwartete eine graue, zubetonierte Stadt und wurde völlig überrascht. Dresden eroberte mich im Sturm, Leipzig überraschte mich scheibchenweise… okay Berlin klammern wir da mal aus 🙂

Ich bilde mir gern selbst selbst ein Bild von einer Stadt, ohne von Hurrapatrioten ständig vollgebrüllt zu werden wie toll doch alles sei. Was ich damit meine ist, seid stolz auf Eure Stadt, freut Euch, mögt sie, aber geht doch bitte damit nicht aller Welt auf die Nerven! Danke!

14 Kommentare

  • Hat das nen Grund, dass Du Leipzig konsequent klein schreibst? Ich fühle mich diskriminiert und somit zu Lokalpatriotismus genötigt! 😉

  • lach du hast so recht, jede stadt hat schöne seiten und dunkle ecken und das wichtigse ist das man sich wohlfühlt und da ist der name der stadt egal

  • Moin, Uwe!

    Ich war ja ehrlich gesagt ein wenig schockiert im ersten Moment, erinnere ich mich doch noch sehr gut an Deinen „Mein Dresden“-Blog. Aber was Du ausführst, ist vollkommen korrekt, diese Rangelei ist total lächerlich. Im Ruhrpott sehe ich es ja auch noch oft bei den Stadtteilen, die irgendwann einmal eingemeindet wurden, siehe Wattenscheid/Bochum oder Wanne-Eickel/Herne. Oder dieser blödsinnige Wettstreit zwischen der Cranger Kirmes und den Düsseldorfer Rheinwiesen.

    Jeder hat seine persönliche Vorliebe – und dafür sollten andere dann nicht auf ihn herabsehen, weil deren Vorliebe ja noch viel schöner, gewaltiger, bekannter, etc. ist.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Mieps

  • Und in Leipzig kommt dann noch der Kleinkram mit Halle dazu… bitterste Pille: Halle hat den Flughafen, Leipzig kommt erst hintendran… 😛

  • Schön, so ausgewogene, entspannte Artikel zu lesen. Wir Menschen haben so ein großes Potential in uns – was wohl passiert, wenn wir die Energie gar nicht mehr mit Unwichtigem verpulvern?

  • Was soll diese Schlechtmache von Berlin? Berlin ist die beste deutsche Stadt, weil es die interessanteste ist. Wie es nach der Teilung zusammengewachsen ist. Wie sich in den 40 Jahren in Berlin mehr Subkulturen herausgebildet haben als in jeder anderen Stadt. Es ist keine typische Plattenstadt (Marzahn-Hellersdorf mal weggelassen) wie andere ostdeutsche Städte (komm selber aus´m Osten), aber auch nicht so ekelerregend Schicki-Micki-bonzenmäßig wie z.B. Hamburg.

    Ich war in vielen dt. Großstädten, aber keine hat so einen Lokalpatriotismus wie Berlin vorzuweisen. Hier ist man nicht stolzer Berliner, sondern stolzer „44er“ (Neukölln), „36er“ (Kreuzberg) etc.

    I <3 Berlin – Yes ist so traurig, wie es derzeit von den Yuppies zerstört wird.

  • Lokalpatriotismus ist etwas völlig normales und so alt wie die Menschheit, denn Heimat ist Heimat! Lokalpatriotismus bedeutet aber nicht andere nieder zu machen, sondern die Liebe zur eigenen Heimat zu zeigen, woran nichts verwerflich ist, solang er nicht übertrieben wird

  • Dresden ist nur für einen Besuch gut und wenn man dabei nicht hinter die Kulissen schaut. Die Menschen sind in Dresden so dermaßen langsam, von sich selbst überzeugt und eingebildet, dass sie es nicht verstehen, wenn man anderer Meinung ist.

    Ich selbst wohne wegen Studium und Arbeit schon lange in DD, aber eigentlich will man hier nur noch weg.

  • Ich kann deine Meinung weder nachvollziehen noch teilen. Verglichen wird überall und jederzeit, warum soll das bei Städten / Lokalpatriotismus anders sein? Wettbewerb bedeutet sich messen und Messen bedeutet eine Bekannte Größe mit einer unbekannten vergleichen. Dich Nervt der Lokalpatriotismus ich liebe ihn.

    Viele Grüße
    Oliver K. – fotOKo

  • Ich finde es schöne wenn man seine Stadt liebt und schätzt. Ich persönlich liebe mein Städtchen sehr, man kennt es, jede Ecke usw. und nicht zu vergessen die Geschichte und den Charakter. Meine Stadt ist Charakter mäßig sehr ruhig kann aber auch sehr lebhaft sein.

    Wie ich hier im Artikel gelesen habe das manche sich gegenseitig nieder machen das finde ich auch bescheuert. Ich finde jede Stadt hat was besonderes aber auch Schandflecken, die hat meine Stadt auch. Gehört nun mal dazu. Mit Berlin verstehe ich das nicht. Ich finde Berlin ist eine schöne Stadt hat viele Museen und andere Sehenswürdigkeiten. Ich wohne ca 2 h (mit Zug) entfernt fahre dort öfters mal hin.

    Aber ich freue mich auch immer wenn ich wieder in meine gewohnte Umgebung bin. Da sieht man wo man hingehört und die Wurzeln sind.

  • Lokalpatriotismus bedeutet doch auch, dass ich meine Stadt fördere und am Leben halte. Das heißt konkret, dass ich am kulturellen Leben teilnehme, um dieses Leben zu erhalten; dass ich mein Haus pflege, weil ich eine schöne Stadt will, und dass ich ortsansässige Firmen dazu nutze; dass ich den kleinen Händlern eine Chance gebe, wenn ich einkaufen gehe, wohl wissend, dass ich im Internet günstiger einkaufen könnre. Lokalpatriotismus heißt leben und leben lassen.

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