Leipzig

Von Einem der nach Leipzig kam

Leipzig

Über 5 Jahre Leipzig. Erfahrungen, Tipps und eine kleine Liebeserklärung von einem zugezogenen Wahl-Leipziger. Was man unbedingt sehen sollte.

5 Jahre Leipzig – Ein Blick zurück nach vorn

Leipzig, das ist für mich irgendwie schon immer eine Stadt gewesen, zu der ich zurückkehre.

Ganz früher in jungen Jahren als Besucher bei meiner studierenden Cousine, später aus Berlin zum WGT, aus Dresden zu Besuch und dann plötzlich jemand, der hier wohnen, arbeiten und leben möchte.

Die Stadt hat mir nicht immer gefallen. Ich fand sie früher grau und verwirrend, später schräg und skurril und dort zu leben, konnte ich mir nicht einmal im entferntesten vorstellen.

Leipzig muss man entdecken. Es offenbart sich nicht auf den ersten Blick.

Als ich früher aus Berlin nach Leipzig kam, um den WGT zu besuchen, habe ich die Stadt an sich kaum richtig wahrgenommen. Überall schwarz kostümierte, den Fotoapparat stets im Anschlag, was interessierte mich da groß der Rest. Leipzig war fern von Berlin aus und für mich mehr „heidnisches Dorf“ auf dem WGT, als eine eigene Stadt.

WGT 2012-0071

© Uwe Werner

Später, als ich in Dresden lebte, bekam ich schnell aufgestülpt, was Dresdner über Leipziger denken. Ein Kurzbesuch in Leipzig zum Thema generationsübergreifende Wohnprojekte in Volkshochschule zu Leipzig, bestätigte mich eigentlich nur. Die Höfe am Brühl wurden gerade gebaut, überall also nur Baustelle, düsteres Novemberwetter und Leipzig erschien grauer denn je.

Ich könnte nie in einer Stadt ohne Fluss leben.

Für mein Verständnis, der die breite Elbe gewohnt war, hatte Leipzig kein Wasser. Auf den ersten Blick erschließt sich Leipzig eben nicht in allem. Überhaupt schien mir das barocke Dresden so viel schöner und interessanter als das graue, müde Leipzig. Äußerlichkeiten.

Und heute? Leipzig zu Wasser zu entdecken ist eine besonders schöne Reise. Ruderer, Gondeln, Bootsführungen, Leipzig ist voller Kanäle, voller Wasser und wer die sich füllende Seenplatte rund um die Stadt erst entdeckt hat, der weiß wie viel Wasser die Stadt wohl zu bieten weiß.

Monopoly Leipzig
  • Spieleranzahl: 2-6
  • Empfohlenes Alter: ab 8
  • Sprache: Deutsch
  • Spiel
  • Winning Moves

Ich hätte mir wohl nie zu träumen gewagt, das ich eines Tages hier sitzen würde und versuche, über nun schon drei Jahre leben und wohnen und Leipzig zu schreiben. Doch es kommt im Leben meist ja doch ganz anders als man denkt. Den Anfang macht mein bester Freund und Agenturpartner, den es des Studiums wegen hierher zog. Auch in modernen Zeiten ist es unumgänglich, das man sich über vieles persönlich absprechen muss. So wurde die Strecke nach Leipzig ein regelmässiger Weg und ich bekam die Stadt von einer ganz anderen Seite gezeigt.

Leipzig ist grün. Wohlfühlparks, die man betreten und nutzen darf, ziehen sich quer durch die Stadt. Im westlichen Schleußig gehe ich in den Park und komme in der City wieder heraus. Zwischendrin habe ich nicht mehr das Gefühl überhaupt in der Stadt zu sein. Die grüne Lunge atmet hier und das ist auch wichtig, denn noch immer ist Leipzig leider auch eine der Städte mit der höchsten Feinstaubbelastung in Deutschland.

Leipzig ist bunt. Manchmal vielleicht ein wenig zu alternativ für meinen Geschmack. Der Leipziger Westen ist voller Künstler, Lebenskünstler, Galerien und den unterschiedlichsten Formen des Zusammenlebens. Was sich in tollen Läden und dem „Westbesuch/Westpaket“ wundervoll bunt darstellt, bringt leider auch fast allabendlichen Partylärm und egoistische Lebenskünstler mit sich. Es gibt eben nicht nur das Schöne.

Leipziger Allerlei-0119

© Uwe Werner

Leipzig ist hip. Man kann einer Stadt wie Leipzig kaum etwas schlimmeres antun, als sie mit Berlin zu vergleichen oder sie „Hypezig“ zu nennen. Zu schnell stürzen sich alle drauf, zu schnell glauben viele hier die schnelle Mark verdienen zu können und obwohl ich Wandlung, Fortschritt und auch die Sanierung der Stadtbezirke ausdrücklich begrüße, empfinde ich Leipzig weder als das „bessere Berlin“, noch wünsche ich mir, dass es das wird. Gewiss, die beiden Städte haben einiges gemeinsam und wie Berlin seine Krawalle in Kreuzberg oder im Wedding hat, glauben linke Chaoten hier im Stadtteil Connewitz, dass nur sie recht haben. Aber das gibts dann auch woanders.

Leipzig ist unterschiedlich. Neben den wunderschön sanierten Stadtteilen mit den Jahrhundertbauten gibt es auch Gegenden, wo man das Gefühl hat, der Krieg wäre gerade vorüber. Grau wie in DDR-Zeiten, heruntergekommen und sich nach Sanierung sehnend, Leipzig ist alles.

Bordsteine sind die neuen Sofa der Youngster und Hipster in Leipzig

Der Ausspruch ist nicht ganz so ernst zu nehmen, aber das Phänomen kenne ich so aus keiner anderen Stadt. Beispiel Sachsenbrücke. Rechts und links davon sind weitläufige Parks, doch alles steht, hockt und sitzt auf der staubigen, harten Brücke. Es ist kultig, hat aber längst überall in der Stadt Einzug gehalten. Bei den berühmt-berüchtigten Strassenpartys im Leipziger Westen das gleiche Bild. Vielleicht muss man Hipster sein oder besonders alternativ angehaucht, um das zu verstehen. Für mich bleibt es ein Rätsel.

Leipzig ist jung und alt. Vor allem ist die Stadt ein bevorzugtes Wohnziel für junge Familien. Im Leipziger Westen, in dem ich lebe, sieht man überall Kinderwagen und Kleinfamilien durch die Gegend ziehen. Der Zustrom an Neu-Leipzigern scheint ebenfalls ungebrochen und so wird sich die Stadt weiter entwickeln und weiter verändern, denn Stillstand tötet eine Stadt.

Für mich ist Leipzig schnell Heimat geworden. Die Leipziger, so man denn mal einen wirklich Einheimischen trifft, sind offen und interessiert. Hier hat man noch das Gefühl etwas bewegen, etwas entwickeln zu können. Hier werden Träume noch geträumt und Ideen umgesetzt und beruflich war es in jedem Fall der absolut richtige Schritt. Leipzig ist Heldenstadt. Nicht nur 1989, sondern auch heute noch, noch immer. Manchmal werden Helden müde, manchmal siegt Kommerz über Ideale, aber all das muss und kann eine Stadt aushalten.

Mir liegt es fern über Dresden herzuziehen, denn die Zeit dort war schön, richtig und auch wichtig, doch es stand dann auch alles still und wer, ähnlich wie in Köln, nicht zum Klüngel gehört, hat es schwer sich zu behaupten. Auch in Leipzig sollte man vieles und viele kennen, aber trotzdem ist es anders und immer auch ein wenig neu.

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Wenn ich mir die drei Jahre so anschaue, bin ich als erstes verwundert, das überhaupt schon soviel Zeit vergangen ist. Es kam mir gar nicht so vor…

Wenn ich an den Kanälen entlang gehe, durch die Parks radel, im Zoo sitze oder vom Dach des Towers schau, dann weiß ich, das ich gern hier lebe. Daher habe ich mal eine Serie mit meinen Lieblingsplätzen in Leipzig gestartet, die ich in diesem Jahr fortführen möchte.

Es ist nicht immer alles schön, aber wo ist das schon so. Trotzdem hat Leipzig für mich einen Wohlfühl-Charakter, eine berufliche Zukunft und viele wunderbare Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Ich weiß nicht, ob ich immer hier bleiben werde. Im Moment lebe ich gern in in Leipzig. Was besseres kann über einen Ort, eine Stadt schon sagen?

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