Leben & Arbeit

Mehrgenerationenhaus = generationsübergreifendes Wohnprojekt ?

 

In der heutigen Zeit leben Familien nicht mehr natürlich unter einem Dach. Aus beruflichen oder privaten Gründen, als Studenten oder Schüler ziehen die Kinder oft in entfernte Städte. Aber auch die ältere Generation steht oft allein da. Begegnungen zwischen Kindern, Eltern und Großeltern werden so immer seltener. Die gegenseitige Unterstützung und die kontinuierliche Weitergabe von Erfahrungen, Wissen und Alltagskompetenzen gehen vielfach verloren.

Unsere Gesellschaft wird zunehmend in allen Bereichen durch den demographischen Wandel geprägt. Die Zeit des Rentenalters kann heute auf Grund gestiegener Lebenserwartung (durch bessere Ernährung, Medizin und umweltbewusstes Leben) durchaus 25 Jahre oder länger dauern. In dieser Zeit sind sowohl die soziale Einbindung in die Gesellschaft, die körperliche und geistige Gesunderhaltung und eine selbst bestimmte Lebensweise wichtig für  ein erfülltes, zufriedenes und glückliches Leben – wie wir uns  es alle wohl wünschen.

Der Anteil der Singles in der Gesellschaft wird in allen Altersschichten, auch in der über 60, zunehmend größer. Längst sind Singles keine Randerscheinung mehr, sondern gerade in größeren Städten machen sie bis zu 2/3 der Bevölkerung aus. Die Möglichkeit, finanziell und wirtschaftlich unabhängig zu sein und zu bleiben, resultiert aus den gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 35 Jahre. Auch bei bewusstem Verzicht auf eine eigene Familie möchten sie, je älter sie werden, gern etwas von ihrem Leben und ihren Erfahrungen weitergeben.

Ein weiterer Aspekt, der bei diesem Thema nicht unbeachtet betrachtet werden muss, ist die gestiegene Mobilität der jungen Generation mit ihren Auswirkungen im Alltag.
Aufgrund beruflicher Chancen gibt es in Dresden seit Jahren einen regen Zuzug junger Menschen. Gründe dafür sind vielfältige Studienangebote und innovative Arbeitsbereiche der Großstadt. Die junge Generation findet hier den beruflichen Einstieg, einen Lebenspartner und gründet eine Familie.

Oft leben die Familienangehörigen nicht in Dresden oder Umgebung, so dass eine Unterstützung im Alltag nicht gegeben ist. So kann die Betreuung der Kinder, ihre Förderung durch verschiedene Freizeitangebote und der berufliche Alltag nur unter großen Anstrengungen bewältigt werden. Außerdem fehlen den Kindern oft Vertrauenspersonen wie Großeltern, Tanten, Onkel, so dass der notwendige Lernprozess der Auseinandersetzung mit anderen Generationen im alltäglichen Leben kaum stattfindet.
Aufgrund der häufigen Kinderlosigkeit und der Ein-Kind-Familien ist das soziale Wachstum der Kinder nur begrenzt möglich. Diese negative Entwicklung wirkt sich verstärkt ab der Pubertät aus. Das Wahrnehmen der Bedürfnisse anderer Altersgruppen fällt schwer, es kommt zunehmend zu Vorurteilen und sozialer Ausgrenzung.

Um die Veränderungen im sozialen Umfeld konstruktiv anzugehen, werden zukunftsweisende Wohnformen, Begegnungsstätten und das Engagement der Menschen benötigt.

Mehrgenerationenhäuser möchte, ebenso wie generationsübergreifende Wohnprojekte,  das Prinzip der Großfamilie in die moderne Gesellschaft übertragen. Familien- und generationenunterstützende Angebote und Dienstleistungen werden hier kontinuierlich entwickelt und vernetzt.

Während generationsübergreifende Wohnprojekte wirklich als Lebens- und „Wohn“raum konzipiert sind und dort zusätzlich Angebote geschaffen werden können, welche in die unmittelbare Umgebung abstrahlen können (Stadtteilwirkung), sind Mehrgenerationenhäuser von Grund auf eher Begegnungstätten mit ganz unterschiedlichen Angeboten. „Nachbarschaftszentren“ nannte man so0lche aktiven Stätten bisher auch gern. Eine Stätte, ein Haus mit Kursangeboten, einem Treff- und Gesprächspunkt für Jung und Alt. Familien- und generationenunterstützende Angebote und Dienstleistungen können dort kontinuierlich entwickelt und vernetzt werden. In ungezwungener Atmosphäre werden so Kontakte geknüpft, Freizeit gestaltet und gemeinsame Ideen verwirklicht. Ein eigenes Netzwerk mit Firmendienstleistungen ist nur eines der Mehrwertangebote für die Nutzer solcher Häuser.

Ein nicht gänzlich anderes Konzept verfolgen dagegen generationsübergreifende Wohnprojekte. Hier gehen die oft eher zufälligen Begegnungen innerhalb einer reinen Begegnungsstätte in ein dauerhaftes Wohnkonzept über. Alt und Jung unter einem Dach vereint. Nicht selten sorgt soetwas für emotionalen Zündstoff, daher ist die Zusammenstellung einer solchen Gruppe mit viel Sorgfalt und reichlich Vorbereitungszeit zu betreiben. „Als Familienersatz“ sehen viele Bewohner denn auch langfristig ihre Wohnform.

Auch Wohnprojekte können um zahlreiche Möglichkeiten ergänzt werden und eine Kombination beider Varianten zu einem neuen großen Projekt wäre sicherlich eine besondere Herausforderung für die Planer der Städte.

(Fotonachweis: pixabay, Gerald)

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