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Kino Preview: „Das Kind“

Gestern also in Sneak Preview die holprige Umsetzung des Bestsellers „Das Kind“ von Sebastian Fitzek. Mit Verlaub gesagt einer der schlechtesten Filme, die ich seit langem gesehen habe.

Der Roman ein Hit, der Film nicht der Rede wert und das obwohl der Autor selbst mit am Drehbuch geschrieben hat. Hier stimmte einfach nichts: Die Story ist wirr erzählt und obwohl sie sich eines grundsätzlich sehr ernsten Themas annimmt, der Pädophilie und dem Kinderhandel, wird das Thema im Grunde nur als anspruchsvolle Kulisse missbraucht. Der Rest geht zwischen Inkarnation und Akte-X Mysterie völlig unter. Der Autor reihte eine Vorhersehbarkeit an die Nächste und von einem dramaturgischen Spannungsbogen oder roten faden scheinen die Macher auch noch nichts gehört zu haben. Ein Ende und noch ein Ende und noch Ende mehr… am Ende applaudierte das Publikum… weil der Film endlich vorbei war.

Die Musik ist nicht erwähnenswert, kaum aus dem Kino, schon vergessen. Kein Thema was im Ohr bleibt.
Scheinen die effektvollen Kamerainszenierungen Anfangs noch interessant, wurde man spätestens nach der Hälfte des Films den immer wieder neuen Effekten überdrüssig. Da hat sich aber jemand so richtig ausgetobt und dabei keine Linie gefunden.

Das Drehbuch ist im Handlungsverlauf schon wirr, doch bei den Dialogen ist fast jede nachmittagliche Daily Soap um Klassen besser. „Oh Baby“ und ich leider vergessen zu zähne, wie oft der Hauptdarsteller das sagte. Teilweise wurde munter im Publikum geredet (nicht gerade ein Zeichen für einen spannungsvollen Film), teilweise über die holprigen einfallslosen Dialoge gelacht. Sind die Zeiten vorbei, wo man Filme noch einem Testpublikum zeigt?

Zum Schluss noch die Besetzung. Man nehme Berlin als Kulisse. Da aber der Film auch in den USA laufen soll, werden alle wichtigen Schilder erstmal auf englisch dargestellt. Alberner gehts dann wirklich nicht mehr. Als Hauptdarsteller wurde Julia Roberts kleinerer Bruder Eric Roberts verpflichtet. Der Theater- und Fernsehschauspieler war kaum eine Minute glaubhaft in der Rolle, die man versuchte ihm da anzukleiden. Ein Name an sich macht eben noch keinen Helden, nicht mal einen gescheiterten.
Christian Traeumer in der kindlichen Hauptrolle blieb bemerkenswert blass und unscheinbar, trotzdem für sein Alter nicht unbemerkenswert. Ihm zur Seite die stets perfekt frisierte blonde Sunny Mabrey, die man schon aus Final Approach oder Species III kennt. Sie wirkte im ganzen Film wie ein Fremdkörper und irgendwie erwartete ich jeden Augenblick, dass sie sich lächelnd in die Kamera drehen und für ein Shampoo Werbung machen würde.

Und da der Film ja auch in Deutschland sein Publikum finden soll, kamen auch ein paar heimische Akteure zum Einsatz. Dieter Hallervorden als Komiker und Entertainer eine große Nummer, als phädophiler Opa im Film eine völlige Fehlbesetzung. Auch hier ein Hauch von morbider Klamotte und ein weiterer Bruch im filmerischen Stil.

Etwas Gutes muss der Film doch aber haben? Ja, doch, da gab es etwas: Ben Becker. Geradeaus, direkt, brutal, zwielichtig und am Ende doch einer der fast-Guten, man kaufte ihm die Rolle ab, es passte und war so ziemlich die einzig gute Besetzung.

Noch ein letztes Wort, dieses mal geht um die Synchronisation. Im Jahr 2012 erwarte ich eigentlich eine zumindest handwerklich gute Synchronisation. Die Deutschen sind darin eigentlich wahre Meister, doch wer genauer hinsieht und hinhört, merkt bei diesem Film so viele Patzer und Holperer, dass es einfach keine Freude macht.

In einer Sneak weiß man nicht,was einen dort erwartet, allen die aber wissentlich sich den Film antun wollen, sein informiert was da auf sie zukommt. Es lohnt sich einfach nicht. Warten wir, bis dieses Filmchen irgendwann bei Pro7/Sat1/RTL auftauchen wird. Dort passt es allemal besser hin als ins Kino. Das Leipziger Publikum in der Sneak war nicht gnädig, ich kann mich dem leider nur anschließen.

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