Leben & Arbeit Movie

„Interstellar“ eine Filmreview

Interstellar Kritik

Sakrale Weltraumoper auf den Spuren von 2001

Wer sich  „Interstellar“ in den Kinos angeschaut hat, brauchte vor allem eines: Sitzfleisch! Der Film kommt, inkl. Pause, auf doch fast drei Stunden, das sollte man wissen. Gern weiß man eigentlich auch worauf man sich bei einem Film einlässt, was einen erwartet. Das ist hier allerdings ungleich schwerer, denn obwohl der Film zweifelsohne als ein ausgemachter Science Fiction daherkommt, erwartet uns sehr viel menschliches und irdisches. Indessen ist der Film auch längst auf DVD und Bluray erschienen.

Es war scheinbar nicht von Beginn an der Film von Christopher NolanGerüchteweise hatte Steven Spielberg das Drehbuch für „Interstellar“ beim Bruder des Regisseurs bestellt. Es kam jedoch nie zu einer Umsetzung, bis Christopher Nolan sich des gewaltigen Stoffes annahm.

Auch andere Gerüchte begleiten den Film. Wer sich die Musik von Hans Zimmer im Film anhört, wird vielleicht auf denn ersten Blick etwas enttäuscht sein. Ein einzelnes Thema in verschiedene Formen gepresst, durchzieht den ganzen Film. Nichts von der Weite und den vielfältigen musikalischen Ausdrucksformen eines Hans Zimmer erinnert hier. Das Gerücht besagt, das Christopher Nolan ganz bewusst einen Track wollte, der sich von den anderen Arbeiten Zimmers unterschied und ihm deshalb nur ein einzelnes Blatt Papier mit einer Kurzstorie zur Entwicklung gab.

Doch komme ich mal zum eigentlichen Film. Eine ganze Riege von hochkarätigen Schauspielern begegnet uns auf dem Weg durch die Handlung. Ein Matthew McConaughey, der noch nie so intensiv, so direkt und überzeugend war. Allein sein Gesicht scheint ein eigener Film zu sein, auf dem sich alle Szenen in einem eigenen Tempo widerspiegeln. Anne Hathaway hat es schwer neben ihm und doch ist die „Elfe mit den unglaublich großen Augen“ genau die Besetzung, die den passenden Kontrapunkt zu McConaughey liefert. Vielleicht stimmt die Ausgewogenheit hier nicht ganz, aber das Zusammenspiel passt perfekt.

Keine Hauptrolle und doch die vielleicht beste Rolle liefert uns der große Michael Caine in der Verkörperung eines alten Nasa-Professors, der Entscheidungen trifft, die auch nachträglich noch hinterfragt werden. War es Mut oder Verzweiflung? Herauszufinden im Film.

Auch die Nebenrollen sind gut besetzt und ich habe mich gefreut William Devane wiederzusehen oder mit Casey Affleck den kleinen Bruder von Ben Affleck einmal zu erleben. Und dann war da ja noch die Sache mit Matt Damon in „Interstellar“ … Entdeckt es selbst! 

Der Film geizt nicht an Personen, nicht an ausschweifenden Szenen – gerade in der ersten Hälfte – und er versucht inhaltlich alle mitzunehmen. genau das ergibt zu Beginn des Film eine gewisse Länge. Die Vorgeschichte der Personen erscheint zunächst trivial und wenig für den eigentlichen Handlungsbogen wichtig, doch genau das ist das pfiffige an dem Drehbuch: selten habe ich mich so geirrt.

Die Menschheit hat es geschafft: Die Erde wird mehr und mehr zu einem unwirklichen Ort, der ein Überleben mehr als unwahrscheinlich werden lässt. Die einzige Hoffnung der Weltbevölkerung besteht in einem geheimen Projekt der US-Regierung, welches eine Expedition in ein anderes Sternsystem starten möchte, wo bewohnbare Planeten, Rohstoffe und vor allem Leben vermutet werden. Die NASA ist dabei nur ein Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit. Im geheimen wird der Plan gefasst und der Ingenieur und ehemalige NASA-Pilot Cooper und die Tochter des Professors, Amelia führen die Besatzung an.

Viele Ungereimtheiten, fehlendes Training und andere Dinge, werden großzügig beiseite gelassen und stören dabei auch nicht wirklich. Ein Wurmloch soll die Reise möglich machen, doch was danach kommt, ist unsicher und die auf der Erde zurück gebliebenen wissen nicht, ob die Reise im Nichts endet…

Aus der kleinen Familiengeschichte wird plötzlich der Kampf der Menschheit um das Überleben und bleibt doch stets den Charakteren eng verbunden. Im zweiten Teil des Filmabends riss es uns vor Spannung und Dramatik regelrecht aus den Sitzen. Der Spannungsbogen wurde zuweilen mächtig überstrapaziert und verbunden mit den eindrucksvollen Bildern – bei denen man schon nach wenigen Augenblicken völlig vergisst, das fast alles CGI dabei war – entsteht eine sakrale Weltraumoper im Kopf, die einen mitnimmt und auch am Ende des Abends nicht gleich loslässt.

Viele haben nicht mehr und nicht weniger als ein direkten Anschluss an Filmgrößen wie „2001“ erwartet, andere vergleichen den Film mit „Contact“. Alle haben recht und doch auch wieder nicht, denn „Interstellar“ ist ein ganz eigenes Meisterwerk, welches sicherlich nicht jeden Star-Wars-verwöhnten Mainstreamgeschmack treffen wird und doch sicherlich Kinogeschichte schreiben wird. Wer keine Weltraumschlachten erwartet und sich vom Überraschenden fesseln lassen will ist in „Interstellar“ genau richtig.

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