Hochsensibilität

Hochsensibilität und Reizüberflutung

HSP Hochsensibel

Reize und Reizüberflutung ist für Menschen mit ausgeprägter Hochsensibilität manchmal schwer zu verkraften. Wie kann ich damit umgehen? Wie kann ich trotzdem meinen Alltag leben?

Menschenmassen und das Filtern

Von je her waren große Ansammlungen von Menschen für mich schwierig. Ich war nie derjenige der sich bei einem Konzert ins Getümmel vor die Bühne stürzen konnte. Zu schnell kam Platzangst auf, aber auch noch etwas anderes, was ich lange nicht deuten konnte.

Noch heute gibt es Tage, an denen ich eher Ruhe und Abgeschiedenheit brauche und doch Einsamkeit nicht ertragen kann. Es scheint nur auf den ersten Blick widersprüchlich. Es ist weniger das Gefühl dass Menschenmassen mich körperlich erdrücken können, es ist mehr die emotionale Welle und die Akustik.

Erst viel später erkannte ich, das ich einfach nicht filtern konnte. Sitze ich in einem Restaurant, kann ich mich oft nicht auf das Gespräch meines Gegenübers konzentrieren. Es fällt mir wirklich schwer das Gespräch zu führen, denn ich nehmen gleichzeitig ungewollt aber unabänderlich sämtliche Gespräche an den Nachbartischen mit wahr. Es ist als würden zwanzig Mann gleichzeitig auf mich einreden. Schwierig bis sehr schwierig. Nach ein paar Minuten bin ich bereits seelisch und körperlich erschöpft.

Wenn ich mit Freunden mal in der Mensa der Uni essen gehe, ist es ähnlich. Ich weiß am Ende zwar wie die Beziehung des unbekannten Mädels am Nachbartisch ausschaut und welche Themen sich der Student, zwei Tische weiter, für seine Masterarbeit im Sinn hat, aber dafür fehlt mir mehr als die Hälfte des Gesprächs an meinem Tisch.

Man kann Filtern lernen, das weiß ich indessen, aber es geht nicht von heute auf morgen und ist nicht immer leicht. Die Konfrontation mit der Reizüberflutung ist da sicherlich ein probates Mittel. Bei Allergien nennt man es Desensibilisierung. Das Prinzip, welches ich zum Beispiel bei meiner Kasein-Unverträglichkeit angewandt habe, ist ein ganz ähnliches.

Hochsensibel

Reizüberflutung

Es gibt Tage, an denen scheint alles zu viel. Das ist nun ein Erlebnis, das jeder von uns mal hat. Es scheinen von allen Seiten Probleme, Informationen und Eindrücke auf uns einzuprasseln, da kann es einem schon mal zu viel werden.

Als Hochsensibler scheint man solche Tage öfters zu haben. Kleinigkeiten strengen dann mehr an und nach einem zweistündigen Meeting bin ich für den Rest des Tages erledigt. Es sind aber nicht immer nur Reize in Bezug auf meine menschliche Umwelt, sondern oft auch optischer und akustischer Natur. Grelles Licht kann an manchen Tagen (und ich spreche jetzt nicht von Migräne) zur Tortur werden.

Geräusche sind da sogar noch schlimmer. Wenn dazu noch eine ausgeprägte Misophonie kommt, also man auf gewisse Geräusche fast aggressiv reagiert, dann ist man schnell ausgeknockt.

Gleichzeitig können einen aber auch Tage, wo man viel erlebt, geradezu berauschen. In jedem Fall ist Reizüberflutung ein Problem. Es gibt zahlreiche Ideen und Ansätze, wie man damit umgehen kann, doch nichts allgemein gültiges, was auf alle zu passen scheint. Viele Bücher scheinen Anleitungen zu bieten wie man als Hochsensibler Reizüberflutung begegnet oder wie man gut durch den Tag kommt. Einige davon habe ich gelesen und kopfschüttelnd beiseite gepackt.

Ich glaube, es gibt keine universelle Anleitung und was für den einen passt und stimmt, bringt dem anderen rein gar nichts. Jeder von uns, der hochsensibel ist, muss seinen Weg suchen und finden. Wem Bücher dabei weiter helfen, für den ist es gut, aber letztlich kann nur unser innerer Kompass die Maßschnur sein, die uns wirklich leitet.

Eines der wenigen Bücher, die für mich einiges verdeutlicht haben und das ich als lesenswert empfehle:

Die Berufung für Hochsensible: Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch
  • Luca Rohleder
  • dielus edition
  • Auflage Nr. 3 (01.11.2016)
  • Taschenbuch: 220 Seiten

 


Artikel einer ganzen Reihe zum Thema Hochsensibilität. Weitere folgen und werden als Artikelsammlung auf der Seite zum Thema Hochsensibel vorgestellt.

Bereits erschienen:

 

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2 Kommentare

  • Hey Uwe,

    das, was du beschreibst, kenne ich auch sehr gut.

    Bei mir ist es zwar nicht so schlimm, dass ich gar nicht in Ruhe in ein Restaurant gehen kann, aber… Ja, auch ich nehme immer alles vom Nebentisch war, bemerke Kleinigkeiten an der Bedienung und nehme viel zu viele Dinge viel zu wichtig und mache sie zu einem Teil meines Lebens.
    Das führt dann dazu, dass ich zwar eigentlich ein sehr fröhlicher und extrovertierter Mensch bin, oft aber einfach meine Ruhe brauche – und mich komplett in mich zurückziehe und auch mal problemlos einen ganzen Tag mit einem Buch auf dem Bett verbringen kann.

    Manchmal nervig, aber wenn man das erstmal für sich erkannt und akzeptiert hat, ist es doch schon irgendwie leichter 😉

    Schöne Grüße,
    Caro

  • Hallo Caro,
    früher dachte ich immer, ich wäre allein mit solchen Wahrnehmungen und Erlebnissen. Um so mehr ich darüber schreibe, desto mehr merke ich, wie vielen anderen es auch so geht. das tut durchaus gut. Danke für Deine Zeilen.

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