Leben & Arbeit

45 Stunden Woche in Deutschland?

Deutschland gehen die Fachkräfte aus, deshalb müssen sich Arbeitnehmer allmählich auf mehr Arbeit einstellen. Der Mangel müsse sonst durch Zuwanderung ausgeglichen werden, so zahlreiche Experten.

(Quelle N24)

Ist das wirklich so?

Fakt ist, die Fachkräfte für die nächsten Jahre und im Grunde vielfach schon jetzt, reichen wirklich nicht aus. Woher also nehmen wenn nicht durch weitere Integration von ausländischen Mitarbeitern? Und wieso ist das heute im allseits beschwörten grenzenlosen Europa überhaupt noch ein Thema? Letztlich betrifft uns das Thema des demografischen Wandels alle, auch wenn das längst nicht bei allen angekommen scheint.

Erinnern wir uns an die Diskussion über Deutsche Arbeitnehmer in der Schweiz vor einiger Zeit. Für einen gewissen Zeitraum vor der Wirtschaftskrise war auch Irland ein sehr beliebtes Arbeitsziel für Deutsche. Wieso haben wir also ein so großes Problem damit nun andere bei uns arbeiten zu lassen? Schüren wir wiedermal Ängste, das uns jemand was wegnehmen könnte?

45 Stunden Woche in Deutschland? Wieso? Weil es immer weniger fachlich qualifizierten Nachwuchs gibt?

Die Politik und die Wirtschaft in Deutschland haben das Problem leider recht gründlich verschlafen. Der demografische Wandel, schon seit Jahrzehnten bekannt, zeigt nun mehr ind intensiver seine Auswirkungen.  Geburtenschwächere Jahrgänge, mangelnde schulische Ausbildung, fehlende Ausbildungsplätze in der Wirtschaft – all die Problematiken sind lange bekannt und es wurde kaum etwas geeignetes dagegen unternommen. Während die meisten Politikert auch heute mit dem Begriff des demografischen Wandels wohl anscheinend noch kaum etwas anzufangen wissen, hat sich die Wirtschaft viel zu lang kurzsichtig um sich selbst gedreht, auf die Auftragsbücher des nächstens jahres und sich auf die Politik verlassen.

 

Lobbyarbeit allein ist längst kein geeignetes Instrument mehr für wirtschaftliche Interessen. Eine Mitverantwortung ist gefragt, denn nur gemeinsam ist dieses Thema nachhaltig anzugehen.Wir müssen den tatsachen ins Auge sehen, das noch immer viele mittlere und kleinere Unternehmen keine Planungen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte in dieser Richtung unternommen haben und sie der fehlende Nachwuchs dann wie ein Schock treffen wird. Man kann dieses Thema nicht rein politisch lösen.

Auch Zuwanderungen und Integration sind keine ausreichende Lösung, so im eigenen Lande nicht die Weichen gestellt werden, um mit den Problemen fertig zu werden. das verlangt zunehmend eine Flexibilität auch von den Arbeitnehmern. Steht uns die Rente bis 70 irgendwann ins haus, dann kann nicht jeder z.B. körperlich schwere Arbeiten bis in dieses Altrer verrichten. Umschulungen oder/und Umbesetzungen dürfen kein rapider Eingriff für Einzelne sein, sondern müssen langfristig vorbereitet und gefördert werden.

Die Politik ist dabei mit dem Schutz der Arbeitnehmer, aber auch der Förderung der Wirtschaft und der Abschaffung allzu sgtarrer Konzepte was Arbeitsabläufe angeht, ebenso gefragt wie die Wirtschaft selbst. Dies betrifft keineswegs nur große Konzerne, sondern eben gerade und vor allem den Mittelstand, denn hier wird sich das schwindene Angebot an Arbeitskräften besonders deutlich zeigen.

Demografische Beratungen in Deutschland haben nach wie vor Seltenheitswert. Schon wird sich um ein Berufsbild des demografischen Beraters gestritten. Typisch deutsch?

5 Kommentare

  • Neue Mitarbeiter nicht selbst ausbilden müssen spart Geld, ältere Mitarbeiter bereits vor der Rente rausschmeißen spart auch Geld. Moralisch ist das alles nicht ok. Man sieht deutlich: Wer nur aufs Geld schielt, der bekommt irgendwann Probleme. So, wie „wir“ grade.

    Ich behaupte immer: Es gibt genug zu tun für alle (genauso, wie es genug Essen, genug Geld usw. für alle gibt), es ist nur „unfair“ verteilt.

  • Und faire und unfaire Verteilung kann man sicherlich geteilter Meinung sein, bzw damit wahrscheinlich extra viele Artikel füllen, aber ich gebe Dir recht, wenn Du sagst, das die Wirtschaft bisher einfach zu eindimensional und kurzsichtig gehandelt hat. Gleiches gilt für die Politik. Während die einen auf aktuelle Gewinnzahlen und managerboni setzen, wollen die anderen populär bleiben und wiedergewählt werden, bzw kleben an ihren Stühlen.

    Beides fördert kaum das Bewusstsein für die Lösung so langfristiger Probleme.

  • Die Tatsache, dass zu wenige Fachkräfte vorhanden sind, insbesondere in den neuen Bundesländern, ist bekannt und (folgt man den Statistiken) nicht von der Hand zu weisen.

    Was bleibt ist die Frage, bessert sich dies (langfristig), wenn wir das Manko durch zusätzliche Menschen sprich Fachkräfte in diesem Fall von Außen auszugleichen versuchen?

    Was hat zur gegenwärtigen Situation geführt?

    • Demographischer Wandel, dieser ist allgegenwärtig in westlichen hochentwickelten Ländern

    • 20 Jahre nach der Wende noch immer ein Ungleichgewicht bezüglich der Löhne (warum sollte ich im Osten bleiben, wenn Job und Geld im Westen warten?)

    • Kann es an der Ausbildung an Schule, Uni, sowie der Berufsschule liegen? (Ich erinnere mich gerne an meine Banklehre, die schon ein paar Jahrzehnte zurückliegt, unser Lehrer für Bankbetriebslehre gab vor der Klasse zu, dass er seine Unterlagen schon seit fünf Jahren in gleicher Weise nutzt; die heutige Ausbildung für Bürokommunikationskaufleute hat mehr mit dem Wissen aus den 80er Jahren gemein als mit den technischen Entwicklungen rund um das Internet)

    Neue Formen der Ausbildung braucht es, und die können durchaus unkonventionell aussehen, wie TeamAcademy in Finnland, http://leanthinkers.blogspot.com/2010/07/teamacademy-entrepreneurial-incubator.html, und z.B. das in Berlin, sowie aufstrebende CoWorking Spaces in Dresden , , u.a.) zeigen. Auch die Frage, ob dafür Millionen Euros zur Verfügung gestellt werden ist weniger entscheidend als die Öffnung solcher innovativer Ansätze in die allgemeine Lernlandschaft von der staatlichen Schule, über die private Schule hin zum CoWorking Space Ansatz und PeerLearning (http://twitter.com/JeanPol).

    Das schockierendste Erlebnis war letztes Jahr im Frühjahr als JamesParsons, ICC Sprachinstitut Leipzig, gemeinsam mit mir und einem weiteren Interessierten einen kombinierten English – Lean Thinking Workshop für sächsische Unternehmen anbot. Obwohl die Unternehmen mitten in der Kurzarbeitsphase waren, d.h. Freiraum für derartige Aktivitäten vorhanden war, kam von 100 angeschriebenen Geschäftsführern keine positive Reaktion, so dass die Workshops nicht zustande kamen – Schade, dass hier eine Chance vertan wurde.

    Die Kosten hätten übrigens bei 100€ pro Person gelegen – und so billig wäre kein Berater für ein kombiniertes Sprach-/Prozessoptimierungsangebot in die Firma gekommen.

    Also scheint es demnach an ganz anderen Phänomenen und Strukturen zu liegen, die einen Wandel momentan verhindern. Möglicherweise muss es doch erst den ganz großen Crash geben, bevor ein Umdenken einsetzt und dann ein panikhaftes Handeln.

  • Nicht nur die Politik, auch die Wirtschaft hat im letzten jJahrzehnt die Entwicklung gründlich verschlafen, da gebe ich Dir recht.

    Was allerdings neue Formen der Ausldung mit dem CoWorking zu tun hat, erschließt sich mir noch nicht ganz. 🙂

  • Zu diesem und weiterführenden Themen habe ich gerade nach der Wahl in SA diesen Beitrag verbrochen:
    Wer weiterhin nur etablierte Medien konsumiert, wird wohl mit bestimmten Fakten gefüttert, ob sie aber seriös sind, kontrolliert fast niemand nach.

Hinterlass einen Kommentar