Als Kind stand ich vor dem Kessel und staunte. Woher wusste der Kessel wann das Wasser kocht und er pfeifen musste? Mir war noch nichts bewusst von Druckaufbau und Wasserdampf, ich warte nur auf den ansteigenden, pfeifenden Ton. Ob für Kaffee oder Tee, so ein Wasserkessel, gern auch Flötenheinz genannt, gehörte früher in die meisten Küchen. Wir hatten einen ganz einfachen silbernen Kessel, der eigentlich immer auf dem Herd stand.

Hätte es damals schon Wikipedia gegeben, hätte ich nachlesen können:

Ein Pfeifkessel, auch Flötenkessel oder Wasserkessel, dient in der Küche dem Erwärmen von Wasser bis zum Siedepunkt, unter anderem zum Kochen von Tee oder Kaffee.

Ein solcher Wasserkessel fasst einen Inhalt von etwa zwei Liter Wasser, besteht aus Edelstahl (früher aus Aluminium, Kupfer oder (emailliertem) Stahlblech) und wird im Gegensatz zu einem mitelektrischem Strom betriebenen Wasserkocher von außen auf einem Herd erwärmt. Zur schnellen Erhitzung des Wassers verfügen Wasserkessel im Gegensatz zu einem Kochtopf oft über sehr dünn ausgearbeitete Böden, um einen direkten Wärmekontakt zur Kochstelle zu gewährleisten.

Wasserkessel verfügen außerdem über eine Dampfpfeife, die über den ausströmenden Wasserdampf akustisch signalisiert, wenn das Wasser im Kessel seinen Siedepunkt erreicht hat.”

Nicht besonders prosaisch, aber zutreffend.

Später verschwanden die Wasserkessel vielfach aus den Küchen, im Osten noch etwas später. Wasserkocher, elektrisch und ganz ohne Pfeifen, standen hoch im Kurs und eroberten unsere Küchen. Praktisch, aber auch irgendwie langweilig fand ich. Das Aufkochen ging schneller und schaltete sich automatisch ab, aber es war einfach trotzdem nicht das Gleiche.

Seit Jahren aber nun kehrt er zurück, der Wasserkessel. Ob hypermodern gestylt oer ganz nostalgisch, ob silbern, einfarbig oder bunt mit Kullern, es gibt ihn in ganz unterschiedlichen Varianten. Sein Pfeifen hat er nicht verlernt und gibt so mancher Küche ein Hauch von Gemütlichkeit wieder. Tee kochen, das wussten schon die Chinesen, ist mehr als nur ein Beutel in heißes Wasser hängen. Die Zubereitung ist mindestens genauso schön und wichtig dabei, wie der Genuss hinterher. Ein Teekessel passt einfach viel besser dazu als ein Wasserkocher.

Und auch wenn ich meine Kapsel-Kaffee-Maschine nicht mehr tauschen möchte, ist so ein Espresso, aufgebrüht aus dem heißen Wasser eines Kessels, irgendwie viel stimmiger. Genuss ist eben auch immer Kopfsache und dazu gehört alles drumherum.

Wasserkessel benötigen keine Steckdose, können das Wasser auch noch eine Weile warm halten, ist einfacher wegzuräumen als ein Wasserkocher und gibt in geselliger Runde sicherlich einen Pfiff.

Ein guter Bekannter, den ich zu dem Thema befragte sagte mir: “Der Wasserkocher habe ich hin und hergerückt. Nun steht er wieder am alten Platz: teilweise unter den Hängeschränken. Der Wasserdampf ist für die Oberschränke auf Dauer nicht gut, so dass ein Wasserkessel auf dem Herd mit der Dunstabzugshaube vielleicht die besser Lösung ist. Zudem sieht er auch schöner aus und läßt sich einfacher reinigen als ein Wasserkocher.”

Was soll ich da noch hinzufügen? Es bleibt lediglich die Frage zu klären: soll es ein silberner traditioneller werden, wie wir ihn früher hatten oder etwas modernes?